Krise – quer denken – schräg handeln
Noch wissen wir nicht genau, wessen Krise es ist: Ist es die Krise von Milliardären, deren Geld, das sowieso kein Mensch ausgeben kann, teilweise verpufft ist? Oder ist es eine Krise in Bankbilanzen, deren Bedeutung kaum ein Kunde einer Bank versteht? Oder ist es die Krise, die uns allen in unserem Bedürfnis nach einem gesicherten Leben berührt, die uns den Boden unter den Füßen hinweg zieht? Die Krise, die uns arbeitslos macht und die Altersversorgung gefährdet, weil sich der Sozialstaat nach der Rettung der Banken keine Sozialstaatlichkeit mehr leisten kann?Wir überlassen diese Diskussion häufig anderen, deren Expertentum angesichts rasanter Zusammenbrüche von Banken fraglich ist.

Einige fürchten sich „sozialen Unruhen“, andere mögen sie als revolutionären Auftakt einer besseren Zeit erhoffen. Wir fragen uns, ob nicht einmal wieder quer gedacht werden muss, ein schräger Weg gefunden werden muss, der aus dem Schlamassel führen kann.Merkwürdig bleibt die Sprachlosigkeit, wie wir mit der Krise und den Möglichkeiten, eine andere Welt zu bauen, umgehen. Trauen sich die Einzelnen nicht, Ängste und Hoffnungen auszudrücken? Finden wir in unseren Betrieben, in Gruppen und Verbänden keine Gemeinsamkeit mehr, mit der Krise umzugehen?Unser Projekt möchte uns als Einzelnen und uns als Gruppenwesen Gelegenheit und Anregung gebenauszudrücken, was Krise für uns istunsere Haltung dazu zu findenund Perspektiven für die Zukunft zu entwickelnDazu haben wir 2 Bausteine entwickelt, die von Mitte Oktober bis Dezember 2009 realisiert werden:



Baustein 1    WERTEladen - eine interaktive Aktion in Ahlen und Dortmund

DEIN WERT IST GEFRAGT! „Gerade die Krise bestätigt den Wert der sozialen Marktwirtschaft. Sie ist mehr als eine Wirtschaftsordnung. Sie ist eine Werteordnung. Sie vereinigt Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller. Gegen diese Kultur wurde verstoßen.“ (Bundespräsident Hörst Köhler in seiner Berliner Rede, 24. März 2009)Die so genannten Werte, Begriffe wie Werteverfall, Wertschöpfung, Wertkrise sind seit Jahren Dauerbrenner in den Feuilletons und in Statements von Politikern und Konzernchefs. Dabei wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass ein Konsens darüber besteht, was eine Krise ist, worüber man hier kommuniziert und was für Werte innerhalb der Gesellschaft gelten. Der WERTEladen kündigt diesen unfreiwilligen Konsens auf und öffnet einen Raum für persönlichen Wertefragen und –antworten der Bürger rund um das Thema Krise.

Was ist der WERTEladen?
der WERTEladen: verkauft keine Waren und macht trotzdem Gewinn stellt Werte in den öffentlichen Raumhandelt mit Fragen, Ideen und Geschichten lebt durch und mit seinen Kunden fragt: Was ist die Krise für dich? Und wie kommt man daraus? Wer bestimmt, welche Werte gelten?





Wie funktioniert der WERTEladen?
Der WERTEladen wird in einem leeren Ladenlokal in Mitten der jeweiligen Städte eingerichtet und ist täglich geöffnet. Der Besucher ist der Kunde und Händler zugleich.Und wie geht das? Hier ein Auszug zu dem Aufruf für den WERTEladen:„Ihr seid unsere Kunden und Händler! Ihr stellt dem WERTEladen Gegenstände aus eurem Leben leihweise zur Verfügung, die Ihr mit einem persönlichen Wert zum Thema Krise verbindet, und schreibt dazu einen Kommentar. Mit Euren Gegenständen und Kommentaren füllen wir die leeren Regale des WERTEladens. Neue Kunden können jederzeit betrachten, was andere Kunden hinterlassen haben und ihre KrisenWerte hinzufügen. Ihr, die Kunden, bestimmt und verändert so ständig Gestalt und Inhalt des WERTEladens.“Erfahrungsgemäß sind die ausgestellten Gegenstände mit ihren begleitenden persönlichen Kommentaren Katalysator für intensive Gespräche der “Kunden/Händler” untereinander und mit den anwesenden Künstlern. Der WERTEladen wird somit ein gesellschaftlicher Diskursort, angestoßen durch eine künstlerische Aktion, deren Entwicklung wiederum von der Initiative der “Kunden/Händler” lebt.





Der Blick zurück...

Der WERTEladen wurde 2000 in Ahlen zum Thema „Arbeit“, 2004 in Münster und 2005 in Hoyerswerda zum Thema „Werte“ realisiert.



Baustein 2     GESPRÄCHbetriebe – Dialoge und andere Töne in der Krise

Parallel zu den WERTEläden, die jeweils in Ahlen und in Dortmund für 10 Tage eingerichtet und geöffnet sind, sollen gezielt Gespräche mit Menschen in unterschiedlichen Betrieben geführt werden.
Ziel dieser Gespräche ist es trotz bestehender Ängste Fantasien zuzulassen über gesellschaftliche Alternativen zu einem System, das den Lebensinteressen der Menschen offenbar nicht mehr gerecht wird und  - selbst für den Fall einer Überwindung der aktuellen Krise - an ökologische und soziale Grenzen stößt, die Alternativen notwendig erscheinen lassen. Hierbei soll zur Überwindung eingeübter Denkmuster ein Dialog zwischen künstlerischer Freiheit, Alltagsphilosophie und den Rollenmustern in der betrieblichen Wirklichkeit eröffnet werden.Geplant sind auditive Mitschnitte der verschiedenen Projektbausteine und Gespräche.




Aus diesem Material soll ein professionelles Hörspiel auf Audio CD entstehen. Diese soll versehen mit einer ISBN Nummer im Handel erhältlich und für "andere Töne" in der Krise sorgen.

Das Projekt wird gefördert durch


Sky
Facebook
GIG